Bosra

Heute ist Bosra eine kleine syrische Provinzstadt mit weniger als 50 000 Einwohnern, die im Süden von Damaskus auf dem Weg nach Jordanien liegt. In der Vergangenheit war sie allerdings eine wichtige Stadt, zeitweise sogar Hauptstadt, weswegen sie 1980 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben wurde. Heute ist die Stadt wegen des Bosra-Kulturfestivals bekannt, welches in der bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt, dem römischen Theater, aller zwei Jahre stattfindet. Das Kulturfestival, bei dem schon Größen wie Fairuz und George Wussuf aufgetreten sind, findet alle zwei Jahre im September statt. Es ist eine wunderbare Erfahrung, das uralte Theater, in einem seiner Bestimmung gerecht werdenden Rahmen, zu erleben. Nur durch den guten Zustand in dem das Theater erhalten ist, wird ein solches Erlebnis möglich. Aber auch wenn sie das Theater nicht zum Kulturfestival aufsuchen, werden Sie ob des Zustands erstaunt sein und sich schnell zurückversetzen können, in jene Zeit, in der man diesen baulichen Schatz zur Unterhaltung der Menschen errichtete.

Geschichte

Die Anfänge Bosras liegen in der Bronzezeit, aber seinen Aufstieg zur bedeutenden Handelsstadt erlebte es erst, nachdem es zum Reich der Nabatäer gehörte. Ab dem zweiten Jahrhundert v. Chr. fiel die Stadt unter ihre Herrschaft und entwickelte sich daraufhin rasant. Dies war mehreren Gründen geschuldet. Zum einen dem, dass sich die wichtigen Handelswege genau an dieser Stelle kreuzten, außerdem natürlichen Wasservorkommen und der deswegen gut funktionierenden Landwirtschaft im Umland der Stadt. Das Ergebnis dessen war das Erlangen einer so großen Bedeutung, dass Bosra in den Jahren 70-106 nach Christus die weltberühmte Felsenstadt Petra als Hauptstadt des nabatäischen Königreiches beerbte.
Wie auch der Rest der Region fiel Bosra 106 an das Römische Reich, nachdem Trajan die Region erobert hatte. Aber wenigstens blieb man Hauptstadt, wenn auch der römischen Provinz Arabia Petraea. Damit war auch der Ausbau der Stadt verbunden und die Gebäude, denen Bosra seine Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes verdankt, wurden zumeist in dieser Epoche erbaut. Nach dem Auseinanderbrechen des Römischen Reiches wurde die Stadt byzantinisch und das Christentum hielt Einzug. Bosra fungierte sogar als Bischofssitz, da man es als Vorposten im Rahmen der Missionierung der Wüstenvölker ansah. Dieser Anspruch endete aber spätestens mit der Eroberung durch die arabischen Muslime im Jahr 634. Immerhin blieb Bosra Provinzhauptstadt, aber der Stern war im Sinken begriffen.
Zur Zeit der Kreuzfahrer war Bosra noch einmal so umkämpft, dass man das römische Theater zur Zitadelle ausbaute, aber danach war es nurmehr eine Station für Pilger auf dem Weg von Damaskus nach Mekka. Diese Handels- und Reiseroute verlagerte sich mit der Zeit nach Westen und als man Anfang des 20. Jahrhunderts die Hedjaz-Bahn baute, war Bosra nur noch ein Nest am Rand der Wüste. Erst die Entdeckung der Ruinen als kulturelles Erbe brachte wieder etwas Leben in das kleine Städtchen, dass sich heute dem Reisenden verschlafen und sympathisch präsentiert.

Sehenswürdigkeiten

Das römische Theater ist definitiv das sehenswerteste was Bosra aufbietet. Mit einer Kapazität von 15000 Zuschauern ist es das größte antike Theater im gesamten Nahen Osten und das am besten erhaltene dazu. Seinen guten Zustand verdankt es auch seiner Nutzung als Festung, wofür es entscheiden verstärkt und der Innenraum sogar zugeschüttet wurde. Da es frei im Raum steht und an keinen Hang gebaut ist, musste es vertieft in den Boden gegraben werden, um die Statik zu gewährleisten.
Neben dem Theater schließen sich die Reste der ehemaligen antiken Stadt an. Es gibt Thermen die man noch erkennen kann, Reste einer alten Kathedrale sowie einer Basilika. Auch einen Markt, unterirdische Speicherhallen, ein Tetrapylon und einige Moscheen sind zum Teil noch übrig. Aufwendig restauriert wurde das Mandjak-Hammam, das aber mit 600 Jahren Alter auch noch relativ jung ist und neben dem sich das städtische Museum befindet.

Praktische Informationen

Da Bosra keine Metropole darstellt, ist die Auswahl an Hotels auch sehr begrenzt. Es gibt aber ein paar Übernachtungsmöglichkeiten, die über guten Standard verfügen. Die meisten Besucher nutzen einen Tagesausflug, um Bosra zu besichtigen. Als Ausgangspunkt dafür bietet sich Damaskus wunderbar an, da nur ungefähr 100 Kilometer zwischen der syrischen Hauptstadt und Bosra liegen. Eine andere Variante ist es, Bosra auf dem Weg nach Jordanien zu besuchen. Es ist nur ein kleiner Abstecher von der Autobahn Richtung Osten.
In der Nähe des Eingangs zum Theater finden sich einige Restaurants, in denen man gut essen kann.


Bitte beachten Sie:

Angesichts der jüngsten politischen Entwicklung in Syrien besteht derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Die Reisen nach Syrien finden deshalb gegenwärtig nicht statt.