Qalat Salah ad-Din

Wie seine „große Schwester“, das Krak des Chevaliers, ist auch die Saladin-Burg (arabsich Qal'at Salah ad-Din) 2006 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Die Anlage ist nicht so groß wie das Krak des Chevaliers, wartet dafür aber mit einer atemberaubenden Konstruktion und traumhafter Umgebung auf. Als bauliches Highlight für den Besucher kann die Felsnadel gelten, die aus dem Burggraben herausragt und die als Stütze für eine Zugbrückenkonstruktion diente. Sie bringt die bauliche Anstrengung, die man unternahm, um den Burggraben anzulegen, wunderbar zum Ausdruck. Auf einer Länge von 130 Metern wurde zum Schutz der Burg ein Graben in den Fels geschlagen, der ungefähr 20 Meter breit und 28 Meter tief ist. Ein ungemein schwer zu überwindendes Hindernis.
In ihrer Konstruktion vereint die Burg die Errungenschaften des byzantinischen Burgenbaus. So baute man die einzelnen Mauer- und Turmabschnitte dergestalt, dass sie nicht untereinander verbunden waren und dadurch separat verteidigt werden konnten. Auch die Verwendung von Bossensteinen, riesige Ziegelplatten mit einer rauen Außenfläche, ist bemerkenswert und zeigt, dass die Burg nicht unter finanziellem oder zeitlichem Druck errichtet wurde.
Bereits vor der Jahrtausendwende errichteten die aus Aleppo stammenden Hamdaniden die erste Burganlage, welche von den Byzantinern 975 erobert wurde. Dies war ein strategisch wichtiger Erfolg, da man mithilfe der Burg den Zugang zum Hafen von Latakia überwachen konnte. An ihr führte der wichtigste Handelsweg aus Aleppo und dem Orontestal vorüber. Die Byzantiner erweiterten und verfeinerten den Bau, verloren sie aber dennoch an die Kreuzfahrer, welche ihr Bündnis mit Byzanz im Verlauf des ersten Kreuzzuges aufgaben. Somit gelangte die Anlage unter die Herrschaft von Tankred von Tiberias, der sie genau wie das Krak des Chevaliers dem Fürstentum Antiochia einverleibte. Dessen Lehnsmann Wilhelm von Sahyun baute die Festung dann weiter aus, wobei er sich die byzantinische Baukunst zu eigen machte.
Die erste ernsthafte Bewährungsprobe erfolgte im Jahr 1188. Saladin hatte nach der Schlacht bei Hattin Jerusalem eingenommen und zog nach Norden, um die Kreuzfahrer in diesem Moment der Schwäche, möglichst weit zurück zu drängen. Nachdem er am Krak des Chevaliers nach einmonatiger Belagerung gescheitert war, nahm er sich die Burg vor, die heute seinen Namen trägt. Sie trägt den Namen auch nicht zu unrecht, denn es gelang ihm durch den Einsatz von Wurfmaschinen die Anlage soweit zu schwächen, dass er sie tatsächlich einnehmen konnte. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass die Anlage zu diesem Zeitpunkte unterbesetzt war, weshalb die Besatzung der Burg keinen erfolgreichen Ausfall zur Behinderung des Beschusses durchführen konnte.
Nach der Eroberung durch den sagenumwobenen Feldherr, ereigneten sich keine weiteren historischen Ereignisse von besonderer Relevanz auf der Burg.

Anreise

Die Burg ist nur zirka 30 Kilometer östlich von Latakia gelegen, weswegen es am Besten ist, wenn man sie auf einem Ausflug von der Küstenstadt aus besucht. Insofern es in der direkten Umgebung der Burg keine Hotels gibt, bietet sich das an. Man kann sie aber auch gut im Rahmen einer Rundreise mit dem Auto, auf dem Weg von Aleppo nach Latakia ansteuern.
Der Besuch bietet einen starken Kontrast zu der Landschaft, die man ansonsten in Syrien vorfindet, da sich die Anlage inmitten eines dichten Kiefernwaldes befindet. Es ist auch möglich mit den in Syrien typischen Minibussen, welche das öffentliche Nahverkehrssystem darstellen, bis an den Fuß des Berges zu fahren und die restlichen fünf Kilometer als Wanderung zurückzulegen, wobei darauf hingewiesen sei, dass es steil bergauf geht.


Bitte beachten Sie:

Angesichts der jüngsten politischen Entwicklung in Syrien besteht derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Die Reisen nach Syrien finden deshalb gegenwärtig nicht statt.