Palmyra

Auf halber Strecke zwischen Damaskus und den Ausgrabungsorten Mari und Dura Europos am Euphrat liegt die antike Oasenstadt Palmyra, welche im Arabischen Tadmur genannt wird und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Die eigentliche Stadt ist recht klein und hat zirka 40 000 Einwohner. Der Grund für ihren Ruhm liegt aber an den antiken Ruinen, die sich vor den Toren der Stadt befinden. Als Oase und Rastplatz für Karawanen, die zwischen Orontes und Euphrat unterwegs waren, nahm die Bedeutung der Ortschaft ihren Anfang. Schon die Assyrer nannten die Stadt Tadmur und bereits im zweiten Jahrtausend v. Chr. wurde hier Handel betrieben. Dabei diente die Stadt nicht nur als Zwischenstop für Karawanen, die zwischen den beiden Flüssen unterwegs waren, sondern sie lag auch auf der Handelsroute, die Indien mit Rom verband. Daneben war sie natürlich auch ein Umschlagplatz für die Beduinen der Wüste. Außerdem wurde dank der fruchtbaren Oase Landwirtschaft betrieben und Überschuss erwirtschaftet.


Im ersten Jahrhundert n. Chr. wurde die Stadt römisch, womit eine rege Bautätigkeit einsetzte, deren Resultate heute noch in der Weite der Wüste stehen. Darin ist auch der Zauber begründet, den Palmyra auf seine Besucher ausübt. Alte Säulenstraßen und antike Bauten, deren Silhouetten vor dem endlosen Horizont der Wüste dem Auge schmeicheln.
Für die Römer war die Stadt nicht nur ein wichtiger Handelsplatz, der sich durch seine Palmen, nach welchen die Stadt Palmyra genannt wurde, von der Kargheit der Wüste abhob, sondern auch ein Außenposten an der Grenze zum sassanidischen Reich der Perser. Mit diesen kam es immer wieder zu Konflikten, die zu Kriegen zwischen den beiden Reichen führten. Palmyra lag zwischen den beiden Mächten und lief Gefahr, von ihnen zerquetscht zu werden. Dem palmyrenische Fürst Septimus Odaenathus gelang aber ein Clou, den niemand für möglich gehalten hätte. Nachdem die Sassaniden über die Römer gesiegt hatten, griff das Heer der kleinen Provinzstadt die Sassanidische Streitmacht an, um der Plünderung zu entgehen. Dabei war man siegreich und es gelang sogar große Teile der Kriegsbeute zurückzuerobern. Mit diesem Schlag entstand eine unabhängige lokale Macht, die auch von ihren Nachbarn ernst genommen werden musste.


Sagenumwobene Zenobia

Odaenathus errang große Erfolge beim Zurückdrängen der Perser, aber die Spannungen mit Rom nahmen zu, da er immer mächtiger wurde. Den Quellen zufolge wurde er von seinem Neffen ermordet, aber man vermutet die Interessen Roms hinter dieser Tat. Was nun folgte war äußerst bemerkenswert und mehrte den Ruhm der kleinen Oasenstadt. Seine Witwe Zenobia übernahm für den minderjährigen Sohn die Herrschaft und begann einen Krieg gegen die Römer, indem sie ganz Syrien besetzte und sich im Jahr 270 auch die römische Provinz Ägypten, die als Kornkammer Roms fungierte, einverleibte. Die Auseinandersetzung ging soweit, dass sich Zenobia zur Kaiserin ernannte, was in den Augen der Römer einer Anmaßung gleichkam. Kaiser Aurelian griff 272 Palmyra an und machte dem Streben Zenobias ein Ende. Die Stadt wurde, da sie sich selbst nach der Gefangennahme Zenobias widersetzte, zerstört und später als kleiner militärischer Außenposten wiederaufgebaut.


Im vierten Jahrhundert wurde Palmyra zwar sogar Bischofssitz, aber die Stagnation war nicht mehr aufzuhalten. Nach der Ausbreitung des Islam im siebten Jahrhundert, der auch Palmyra erreichte, änderte sich auch die Bedeutung der Stadt. Sie lag nicht mehr an der Grenze eines Reiches, diente aber noch als Handelsort. Im 16. Jahrhundert wurde auf dem Hügel neben der Stadt die Zitadelle errichtet, womit Palmyra wieder ein wenig militärische Bedeutung bekam. Aber in der Epoche der Osmanen setzte dann ein rascher Bedeutungsverlust ein und Palmyra war nicht mehr viel mehr als ein dörfliche Oase.

Sehenswürdigkeiten

Gleich neben der heutigen Ortschaft liegt das Ruinenfeld, das man durch das Hadrianstor betritt. Dieses wurde zu Ehren des Kaisers errichtet, da dieser die Stadt im Jahr 126 besuchte und zur freien Stadt erklärte. Die Kolonnadenstraße führt dann durch die ehemalige Stadt hindurch, geradezu auf das sehr gut erhaltene Tetrapylon, welches das Herzstück der Stadt war. Links steht ein Theater, das zwar nicht so groß ist wie andere Theaterbauten die man im Nahen Osten findet, aber es ist sehr gut erhalten, da es zu einem Großteil bis ins 20. Jahrhundert von Sand bedeckt war. Weiterhin finden sich Überreste von Bädern und Tempelanlagen.


Tiefer in der Wüste liegt das Tal der Gräber, in dem Grabtürme errichtet wurden. Diese stammen vermutlich aus hellenistischer Zeit und stellen eine Besonderheit Palmyras dar. Es wird davon ausgegangen, dass die Türme, welche bis zu vier Etagen hoch werden konnten, jeweils von einer Familie für die eigenen Verstorbenen angelegt wurden.
Links vom Ruinenfeld steht ein der Gottheit Baal geweihter Tempel. Zumindest ist dies der Grund für die Errichtung des Tempels gewesen. Später wurde er von den jeweiligen Kulturen zur Ausübung ihrer eigenen religiösen Praxen genutzt, weswegen in ihm mesopotamische und römische Götter angebetet wurden und später der Umbau als Kirche und als Moschee erfolgte. Es lohnt sich unbedingt eine Führung in diesem Tempel zu machen, bei der einem die Geschichte des Gebäudes anhand der Spuren erklärt wird.


Praktische Informationen

Palmyra ist ungefähr 200 Kilometer von Damaskus entfernt und wird mehrmals täglich von verschiedenen Buslinien angefahren, da es auf dem Weg nach Deir az-Zour liegt. Die Kleinstadt, die von der Oase und dem Tourismus lebt, ist bestens auf diesen eingestellt und man findet Hotels als auch Restaurants in allen Preisklassen.


Bitte beachten Sie:

Angesichts der jüngsten politischen Entwicklung in Syrien besteht derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Die Reisen nach Syrien finden deshalb gegenwärtig nicht statt.